Title: Erstes Citizen-Science-Projekt des Ludwig Boltzmann Instituts für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge (LBI SOAP)

Schätzungen zufolge leben in Wien rund 250.000 Katzen. Viele dieser Katzen sind nicht nur reine Stubentiger, sondern können sich auch regelmäßig auf Auslauf im Freien freuen. Darüber hinaus besitzen unsere geliebten Katzen nach wie vor ihre natürlichen Instinkte – dazu gehört auch die Jagd auf Kleintiere. Entsprechend wird nahezu jede Katzenhalterin und jeder Katzenhalter irgendwann einmal von seinem Haustier mit einem „Geschenk“ überrascht, indem die erlegte Beute nach Hause transportiert wird. Dabei kann es sich um verschiedene kleine Mausarten, Spitzmäuse oder auch kleine Vögel handeln. Diese Fähigkeiten machen Katzen zu äußerst hilfreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – und zwar aus folgenden Gründen:

Warum müssen wir in Wien nach Viren und anderen Krankheitserregern suchen?

Die intensive Überwachung viraler, bakterieller oder anderer Krankheitserreger konzentriert sich bislang vor allem auf ländliche Regionen, häufig auch auf exotische Gebiete mit besonders hoher Biodiversität. Im Gegensatz dazu werden urbane Räume, z.B. Wien oder andere Großstädte, oft vernachlässigt oder auch gar nicht berücksichtigt. Dabei gibt es auch im städtischen Umfeld zahlreiche Situationen, in denen wir mit unterschiedlichen Wildtierarten in Kontakt kommen. Zwar ist der direkte Kontakt mit kleinen Nagetieren, Ratten oder Wildvögeln meist selten, doch indirekter Kontakt über Kot, Urin, Staub oder Wasser kommt deutlich häufiger vor, als uns bewusst ist. Die Wahrscheinlichkeit für solche Kontakte ist – neben dem Menschen – für Haustiere wie Katzen deutlich erhöht.

Hinzu kommt, dass viele Menschen gar nicht wissen, welche potenziellen Krankheitserreger in den Beutetieren von Katzen zirkulieren können. Ob Nagetiere, Vögel oder andere Tiere – Katzenbeute kann – muss aber nicht – erhebliche Mengen an Krankheitserregern enthalten. Eine umfangreiche Studie zur Überwachung von Krankheitserregern in Nagetieren in verschiedenen Lebensräumen zeigte, dass in rund 2.500 Proben von Fledermäusen, Nagetieren und Spitzmäusen in China über 600 verschiedene Viren nachgewiesen wurden (Chen et al., 2023).

Doch kleine Tiere, die als Katzenbeute geeignet sind und Krankheitserreger tragen, kommen nicht nur in China vor – auch hier in Österreich ist das der Fall. Vor einigen Jahren wurden in Nagetieren in der Nähe des Neusiedler Sees mehrere potenziell für den Menschen gefährliche Erreger nachgewiesen: Borreliose, Leptospirose und das Dobrava-Belgrad-Hantavirus (DOBV) (Jeske et al., 2021). Darüber hinaus verursacht das ebenfalls in Nagetieren zirkulierende Puumala-Hantavirus in Österreich jedes Jahr mehrere Dutzend bis etwa 200 Infektionsfälle (Clark et al., 2026; Tscherne et al., 2025; Puumalavirus | MedUni Vienna). Weitere Informationen zum Puumala-Hantavirus finden Sie auch in einem aktuellen Spotify-Podcast von Prof. Dr. Florian Krammer.

Wie kann meine Katze beim Auffinden von Viren und bakteriellen Erregern helfen?

Genau hier kommen unsere geliebten Katzen ins Spiel: Ihr Jagdinstinkt macht sie zu idealen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern! Wir, das Ludwig Boltzmann Institute für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge (LBI SOAP) an der Medizinischen Universität Wien, unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Krammer, haben es uns zur Aufgabe gemacht, die „Jagdtrophäen“ unserer Haustiere auf Krankheitserreger zu untersuchen.

Wir sammeln tote kleine Säugetiere, Nagetiere und Vögel, sezieren diese im Labor und untersuchen dann die verschiedenen Organe auf eine Vielzahl unterschiedlicher Viren (z. B. Influenza-, Hanta- und Bornaviren) sowie ausgewählte bakterielle Erreger (z. B. Leptospiren). Ziel ist es, einen detaillierten Überblick über die Krankheitserreger zu erhalten, mit denen diese Kleintiere in der Stadt infiziert sind, und anschließend auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen.

Nun sind Sie und Ihre Katze gefragt: Gemeinsam können Sie einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen und virologischen Forschung leisten! Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns informieren, falls Ihre Katze Beute nach Hause bringt. Wir vom LBI SOAP holen den Kadaver bei Ihnen ab, untersuchen ihn im Labor und informieren Sie anschließend darüber, welche Tierart Ihre Katze gefangen hat und ob – und wenn ja welche – Krankheitserreger wir in der Beute nachweisen konnten. Ihr Beitrag kann das wissenschaftliche Verständnis darüber, welche Krankheitserreger und Viren uns in urbanen Räumen begegnen, erheblich erweitern. Die Ergebnisse ermöglichen es uns außerdem, gezieltere Empfehlungen zu geben, wie Sie sich selbst und Ihre Katze vor diesen Erregern schützen können.

Uns ist jedoch sehr wichtig zu betonen, dass dies in keiner Weise als Aufruf zu verstehen ist, Ihre Katze gezielt jagen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Wenn Ihre Katze ohnehin tote Beute nach Hause bringt, möchten wir zumindest versuchen, daraus einen letzten wissenschaftlichen Nutzen zu ziehen und den Kadaver zu analysieren. So ist das Tier zumindest nicht umsonst gestorben!

Meine Katze hat ein totes Tier nach Hause gebracht – was nun?

Haben wir Ihr Interesse geweckt und möchten Sie uns dabei helfen herauszufinden, welche Tiere und potenziellen Krankheitserreger Ihre Katze regelmäßig nach Hause bringt? Dann kontaktieren Sie uns bitte – wir freuen uns über jede Meldung!

Schnelligkeit ist entscheidend: Bitte melden Sie uns Ihren Fund (via Telefon, WhatsApp oder SMS) innerhalb von 24 Stunden und lagern Sie den Kadaver (wenn möglich) bis zur Abholung im Kühlschrank. Je frischer der Fund, desto größer ist sein wissenschaftliches Potenzial!

Eine bildhafte Anleitung zum sicheren Aufheben des Tierkadavers finden Sie hier auf dieser Website auf der rechten Seite. Bitte klicken Sie einfach auf das Bild, um es zu vergrößern.

Kontakt

Bitte beachten Sie: Eine Kontaktaufnahme wird ab 2. März möglich sein.

E-Mail: ivebxvggl@yot.np.ng
Tel.: +436764611450 (auch per WhatsApp oder SMS)

Vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und Ihr Engagement!!! Wir freuen uns darauf von Ihnen zu hören/lesen.